Deutsches Ärzteblatt 27. 06. 2008
Montag, Juni 30th, 2008Deutsches Ärzteblatt
Datum 27 . 06 . 2008
Rubrik PERSONALIEN
Renate Hartwig : Ärzteversteherin und Publikumsmagnet
Als „Ärzteversteherin“ bezeichnet zu werden, sei der geringste Vorwurf, dem sie sich ausgesetzt sehe, sagt Renate Hartwig. Schließlich ist die Publizistin und Autorin Schelte gewohnt. Seit die gelernte Sozialarbeiterin mit ihrem 1994 erschienenen Bestseller „Scientology – Ich klage an“ auf Konfrontationskurs gegen die Organisation ging und eigenen Angaben zufolge Rufmordkampagnen überwinden musste, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. Das wird sie erneut brauchen. Denn mit ihrem jüngsten Projekt – dem Buch „Der verkaufte Patient“ – rechnet die dreifache Mutter mit (fast) allen Akteuren im Gesundheitswesen ab. Nur Ärzte und Patienten bleiben verschont.
Hartwig hält Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Politiker für eine Art „Gesundheitsmafia“, die dem System den Geldhahn zudreht und es mit bürokratischen Vorschriften bombardiert. „Die Gesundheitsmafia will, dass unsere Ärzte das Handtuch werfen“, behauptete die gebürtige Lindauerin jüngst vor 25 000 Menschen im Münchner Olympiastadion. Sie alle waren trotz schlechten Wetters gekommen, um Hartwigs Initiative für einen „Patienten -Aufstand“ gegen die Gesundheitsreform (www. patient – informiert - sich .de) zu unterstützen (dazu DÄ, Heft 24/2008).
Die prominente Autorin will mit ihrem Appell aufrütteln und zur Diskussion anregen. „Aus einer Bürgerinitiative soll eine Bürgerbewegung werden“, unterstrich Hartwig bei ihrer Buchvorstellung in Berlin. Das könnte ihr gelingen. Denn Hartwig hat die Energie, Menschen von einer Sache zu begeistern – zumindest in Bayern.
Martina Merten

