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HAUSÄRZTETAG IN BAMBERG 19.07.2008

Montag, Juli 21st, 2008

REDE RENATE HARTWIG
BEIM BAYERISCHEN HAUSÄRZTETAG IN BAMBERG
AM 19.JULI 2008

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HAUSÄRZTETAG IN BAMBERG

Montag, Juli 21st, 2008

REDE BEIM BAYERISCHEN HAUSÄRZTETAG IN BAMBERG
AM 19. JULI 2008

LIEBE ÄRZTE UND ÄRZTINNEN,
HERR MINISTERPRÄSIDENT,

WER MICH KENNT WEIß, ICH LASSE MIR VON NIEMAND SAGEN, WAS ICH ZU SAGEN HABE. DAS ICH AUCH FURCHTLOS DINGE AUSSPRECHE DIE ANDERE NUR DENKEN.

MEIN MARKENZEICHEN IST KLARE POSITIONIERUNG UND UNBESTECHLICHKEIT.

FÜR JEDE GERECHTE SACHE BIN ICH ZU HABEN,
SOWEIT ICH ES VOR MEINEM GEWISSEN VERANTWORTEN KANN.

ICH KÄMPFE GEGEN DEN AUSVERKAUF UNSERES SOLIDARSYSTEM  – DAFÜR DAS DIE WAAGSCHALE SICH NICHT GEGEN SOZIAL SCHWACHE; KRANKE UND BEHINDERTE MENSCHEN IN UNSEREM LAND RICHTET – UND FÜR DEN ERHALT DER FREIEN ARZTWAHL.

ICH KÄMPFE AUCH FÜR DIE SACHE
DER FREIEN, NIEDERGELASSENEN ÄRZTE,
WEIL ICH DIE ZYNISCHE ERDROSSELUNGSPOLITIK,
MIT DER MAN SIE ANS MESSER LIEFERT, FÜR EINEN DEMOKRATIE- UND FREIHEITSSKANDAL ERSTER ORDNUNG HALTE.

ABER ICH BIN NICHT ZU HABEN FÜR ABSPRACHEN, MAUSCHELEIEN UND WAHLKAMPFTRICKS.

ICH BIN NICHT DIE ERFÜLLUNGSGEHILFIN
STANDESPOLITISCHEN STELLUNGSKRIEGE.

ICH BIN AKTIVE BÜRGERPATIENTIN – UND WEIL ICH DAS BIN, GAB UND GIBT ES EINE GEWISSE SCHNITTMENGE VON INTERESSEN, EINEN VORRAT AN GEMEINSAMKEITEN  - ZWISCHEN IHNEN UND MIR.

ICH GESTEHE: DER NEUE BUND DES HAUSÄRZTEVERBANDES MIT DER CSU MACHT MIR BAUCHWEH – UND ZWAR DESHALB WEIL ES EIN ZWECKBÜNDNIS AUF TÖNERNEN FÜSSEN IST.

ICH FRAGE MICH SEIT TAGEN,  NACH ALLEM WAS SIE WISSEN, UND ERLEBTEN – WO BITTE IST DIE SICHERHEIT DASS DAHINTER KEIN  HACKEN IST AN DEM SIE EIN WEITERES MAL IN RICHTUNG UNFREIHEIT ANGEHÄNGT WERDEN?

UND MIT IHNEN DANN AUCH WIR! DENN BITTE BEDENKEN SIE WIR SITZEN IN EINEM BOOT !

GEHEN SIE UNTER, SIND WIR BÜRGERPATIENTEN VÖLLIG DEM AUSVERKAUF, DER GEWINNMAXIMIERUNG VON KAPITALGESELLSCHAFTEN AUSGELIEFERT,  OHNE DAS WIR ES BEEINFLUSSEN KÖNNEN. HIER LIEGT DER URSPRUNG UNSERES AUFBEGEHRENS. 

ERINNERN SIE SICH BITTE:

WIE OFT WURDEN SIE, LIEBE ÄRZTE UND ÄRZTINNEN,
IN DER VERGANGENHEIT IN POLITISCH UND STRATEGISCHE SPIELE VERWICKELT ?

VAGE VERSPRECHUNGEN, DIE DAS PAPIER NICHT WERT SIND, AUF DEM SIE NIEDERGELEGT WURDEN UMARMUNGEN IN WAHLKAMPFZEITEN KOMMEN DA DRAUßEN AUßERHALB DER WELT IHRES WEIßEN TELLERRANDES GANZ ANDERS AN.

DA HEIßT ES IN DEN SCHLAGZEILEN ES GIBT EINEN „WAFFENSTILLSTAND“ – KLINGT DOCH NACH KRIEG – UND DAS STIMMT. SIE SIND MITTEN IM KRIEG ZWISCHEN PARTEIEN UND VERBÄNDEN – ICH WARNE SIE EINDRINGLICH VOR DEN WAFFENHÄNDLERN DIE VON DIESEM KRIEG PROFITIEREN.

ES GILT STELLUNG ZU BEZIEHEN – KLAR UNMISSVERSTÄNDLICH. DENN SONST IST DER BODEN AUF DEM DIE PFLANZE HOFFNUNG GESÄT IST, FÜR LANGE ZEIT VERGIFTET. 

UM WAS GEHT’S JETZT? UM DIE BAYERISCHE LANDTAGSWAHL AM 28.  SEPTEMBER? ODER UM UNSER GEMEINSAMES ZIEL - FÜR UNSER SOLIDARSYSTEM UND DAS ÜBERLEBEN DER FREIEN NIEDERGELASSENEN ÄRZTE EINZUSTEHEN - UND ES WEDER ZU VERRATEN NOCH DEN VERKAUF ZUZULASSEN?

DIE DISKUSSION UM DEN WERT VON ARBEIT IST FÜR MICH NICHT BEENDET, SIE KANN AUCH NICHT DURCH EINE DISKUSSION UM DIE VERTEILUNG DES KUCHENS GESTOPPT WERDEN. SIE IST DIE FUNDAMENTALE BASIS WIE WIR IN ZUKUNFT ALS MENSCHEN – ALS ARZT, ALS PATIENT MITEINANDER UMGEHEN.

HIER LIEGT MEIN ANSATZ, MEIN ANLIEGEN ÜBER EINE BREITE THEMATISIERUNG KLAR ZU LEGEN: RESPEKT RÜCKSICHT UND VERSTÄNDNIS SIND DIE BASIS AUF DER WIR UNSER SOLIDARSYSTEM JUNG FÜR ALT UND GESUND FÜR KRANK BAUEN. UM DAS NICHT NOCH MEHR ZU GEFÄHRDEN HEISST ES: NICHT ABWARTEN SONDERN EINMISCHEN IST BÜRGERPFLICHT.

WIR BÜRGERPATIENTEN SIND DIEJENIGEN DIE ES AUSBADEN, WAS  VERHANDELT, WAS ZUGELASSEN WIRD.

WIR KÄMPFEN GEGEN DIESE GESUNDHEITSREFORM!

WIR KÄMPFEN GEGEN DIE GESUNDHEITSKARTE

WIR KÄMPFEN GEGEN DIE MILLIARDENVERSCHWENDUNGEN IM GESUNDHEITSWESEN!

LAUT BUNDESRECHNUNGSHOF 19 MILLIARDEN ALLEIN FÜR DIE E- CARD – WELCHER AUFWAND UM AN UNSERE DATEN ZU KOMMEN. WELCHER WAHNSINN BEDENKT MAN DAS EINE HANDVOLL UNTERNEHMEN DER GROßINDUSTRIE DAVON PROFITIERT. DAS IST SO ALS WÜRDE MAN DIE DONAU KOMPLETT UMLEITEN DAMIT 5 SCHIFFE DAMIT GEWINN MACHEN KÖNNEN. .

WIR KÄMPFEN GEGEN DEN LOBBYISMUS IN STAATSDIENSTEN DER SO ETWAS WIE DIE ECARD HERVORBRINGT UND GEGEN DIE UM SICH GREIFENDE „BERATERITIS“ DIE SICH WIE EINE SEUCHE AUSBREITET.

WIR KÄMPFEN GEGEN DEN AUSVERKAUF DES GESUNDHEITSWESENS AN KAPITALGESELLSCHAFTEN!

WIR KÄMPFEN ABER AUCH GEGEN DIE AUSSAGEN DER POLITIK EINE WEITERE ERHÖHUNG DES KRANKENKASSENBEITRAGS GEBE ES NUR WEGEN DER HOHEN HONOARFORDERUNGEN DER ÄRZTE. 

HIER LIEGT DAS GIFT, DASS VON DER POLITIK GEZIELT GESTREUT WIRD: HIER WIRD DIE ANNAHME IN DER BEVÖLKERUNG GEFESTIGT „DER ARZT IST SCHULD“ AN DER ERHÖHUNG DER KASSENBEITRÄGE. AUCH GEGEN DIESE POLITISCHE STRATEGIE MÜSSEN WIR GEMEINSAM VORGEHEN.

ANSTATT POLITIKER OFFEN ZUGEBEN WELCHE FEHLER IN DER GESETZGEBUNG GEMACHT WURDEN, WERDEN ÄRZTE EIN WEITERES MAL ZUM BUHMANN AUFGEBAUT.
 .
WIR MÜSSEN WEITER MACHEN UND FÜR VERÄNDERUNGEN RINGEN DIE ARZT UND PATIENT FREI VON KNEBELVERTRÄGEN, VOM BITTSTELLER ZUM PARTNER IN GLEICHER AUGENHÖHE WERDEN LASSEN.   

UND JETZT SAGE ICH IHNEN NOCH WAS:

WIR BÜRGERPATIENTEN KÄMPFEN NICHT DAFÜR, DASS DIE ÄRZTE DEN MUND  HALTEN, WEIL IHNEN DIE POLITIK MIT EIN PAAR EUROS AM HORIZONT WINKEN. DAS GELD STEHT IHNEN ZU, ES IST KEIN GESCHENK, WIE ES VON POLITIK UND KASSEN IMMER WIEDER DARGESTELLT WIRD.

LASSEN SIE SICH ZU NICHTS ÜBERREDEN – NUR VON TATEN ÜBERZEUGEN. SCHLUCKEN SIE IN KOMMENDEN VERHANDLUNGEN NUR GUT VERDAULICHE KRÖTEN AN DENEN SIE NICHT ERSTICKEN KÖNNEN.

ÜBRIGENS IN DEN TATEN LIEGT AUCH DIE CHANCE DER POLITIK VERLORENES VERTRAUEN ZURÜCK ZU GEWINNEN !

DENN DAS GESUNDHEITSWESEN TAUGT NICHT FÜR WAHLKÄMPFE – ES IST EINE WICHTIGE BASIS FÜR UNS ALLE IM UMGANG MITEINANDER. WENN WIR DAS VERSPIELEN ÖFFNEN WIR RANDGRUPPEN UND HEUSCHRECKEN DIE TÜRE ZUM SCHADEN DER DEMOKRATIE UND ZUM SCHADEN UNSERES MITEINANDER! 

SOLLTE JEMAND GEDACHT HABEN, DASS DER SCHULTERSCHLUSS ZWISCHEN PATIENTEN UND ÄRZTEN  DARIN BESTANDEN HABE, DASS WIR PATIENTEN MAL VORÜBERGEHEND EIN BISSCHEN RABBATZ MACHEN …UND DASS WIR UNS NACH BEDARF VON DER POLITIK ZURÜCKPFEIFEN LASSEN, DANN DÜRFTE SICH DAS ALS EIN GROßER IRRTUM HERAUS STELLEN.

WIR BÜRGERPATIENTEN GEHEN WEITER – ES GIBT SIE DIE WELT AUßERHALB DES WEIßEN TELLERRANDES – AUSSERHALB WAHL – UND VERHANDLUNGSZEITEN.

WIE PILZE SCHIEßEN UNSERE BÜRGERPATIENTEN INFOTREFFS AUS DEM BODEN. UNS GIBT ES – UND WIR MISCHEN UNS EIN! 

FAST EINE MILLION UNTERSCHRIFTEN FÜR DEN ERHALT DES FREIEN NIEDERGELASSENEN ARZTES KANN NIEMAND EINFACH ABTUN MIT PLAKATEN ABHÄNGEN. DER VERSUCH DIESE BEWEGUNG INFORMIERTER PATIENTEN TOTZUSCHWEIGEN HÄLT SIE NICHT AUF. ICH BIN FÜR EINEN SOUVERÄNEN DEMOKRATISCHEN RECHTSSTAAT UND DIESER BEINHALTET FÜR MICH DIE VOLLE INFORMATIONSPFLICHT, TRANSPARENZ UND EHRLICHKEIT GEGENÜBER UNS BÜRGERN. GENAU DAS FORDERN WIR EIN – UND STREITEN UNS AUCH NOTFALLS VOR GERICHT UM UNSERE IM GRUNDGESETZ VERBRIEFTEN RECHTE DURCHZUSETZEN. 

WENN FRAU STAATSMINISTERIN MÜLLER AUS DEM BUNDESKANZLERAMT „DEN TEICH AUSTROCKNEN WILL OHNE DIE FRÖSCHE ZU FRAGEN“, WIRD SIE EINEN GUTEN HNO ARZT BRAUCHEN – DENN DAS QUAKEN WIRD UNÜBERHÖRBAR FÜR POLITIKER SEIN, DIE EINE SOLCHE DENKE HABEN.
 
OHNE UNSERE AUFKLÄRUNGSARBEIT, WÜRDE SICH KEIN MENSCH IN DIESEM LAND FÜR DIE PROBLEME DIE ÄRZTE – UND UNS BÜRGERPATIENTEN BETREFFEN - INTERESSIEREN.

OHNE UNS PATIENTEN HÄTTE ES KEINEN PROTEST IM  OLYMPIASTADION GEGEBEN. AUCH WENN MAN IHN TOTGESCHWIEGEN HAT IHN GAB ES UND ZIGTAUSENDE DIE DA WAREN HABEN REGISTRIERT, DASS MAN SIE NICHT REGISTRIEREN WOLLTE!

MIT DER INITIATIVE „PATIENT-INFORMIERT-SICH“ UND MIT MEINEM BUCH „DER VERKAUFTE PATIENT“ HABE ICH IM NAMEN VON BÜRGERN UND PATIENTEN DEN KAMPF GEGEN DIE SOGENANNTEN GESUNDHEITSREFORMEN ALS GANZES AUFGENOMMEN. DAZU HABE ICH IN MEINEM BUCH GESCHRIEBEN:

„WIR HABEN DEN BETRUG, DIE VERSCHLEPPUNG VON SKANDALEN UND DIE VERUNTREUUNG UNSERER GELDER SATT! WIR LASSEN UNS NICHT LÄNGER AUSPLÜNDERN!“

IM BUCH „DER VERKAUFTE PATIENT“HABE ICH IM KAPITEL AUF SEITE 181 „WOFÜR ICH KÄMPFE“ KLAR BESCHRIEBEN WAS MIT MIR NICHT GEHT.

SIE ALS BAYERISCHE ÄRZTE DÜRFEN NICHT HINTER DAS NIVEAU DES KAMPFES FÜR DEN FREIEN NIEDERGELASSENEN ARZT ZURÜCKFALLEN WOLLEN, SONST WÄRE ICH UM EINE ERFAHRUNG REICHER UND UM EINE ILLUSION ÄRMER.

TUN SIE, WAS SIE TUN MÜSSEN! ABER HÜTEN SIE SICH VOR DEM NEU (MEINER ANSICHT NACH GEZIELT) ANGEZETTELTEN BRUDERKRIEG ARZT GEGEN ARZT!

LASSEN SIE UNS ÜBER EINE DEMOKRATISCH GEFÜHRTE NOTFALLS KNALLHARTE ÖFFENTLICHE DISKUSSION UM DAS RINGEN WAS WICHTIG IST – EINE STREITKULTUR IN DER SACHE – WEHRHAFTE DEMOKRATIE UND VIEL ZIVILCOURAGE IST ANGESAGT! DENN DER MENSCH STEHT AN ERSTER STELLE UND NICHT DER BÖRSENBERICHT DER HEUSCHRECKEN!

DANKE FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT! 

RENATE HARTWIG

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

 

Allgäuer Zeitung 19.07.2008

Samstag, Juli 19th, 2008

«Mensch oder Mammon - geht Rendite über alles?»

Gesundheitswesen

Riesenansturm auf Vortrag
der Autorin Renate Hartwig
im Modeon

Marktoberdorf/Ostallgäu | sg |

Riesenansturm aufs Modeon:

Die Hauptakteurin, Renate Hartwig, wartete schon auf ihren Auftritt, während draußen vor der Tür noch Hunderte von Zuhörern zu der Veranstaltung drängten. Sogar mit Bussen waren sie aus dem ganzen Ostallgäu gekommen, um von Hartwig, der Autorin des Buches «Der verkaufte Patient» und Begründerin der Initiative «www.patient-informiert-sich.de» zu erfahren, wohin die Reise unseres Gesundheitssystems zu gehen droht. Mit solch einer Resonanz hatten die Ostallgäuer Ärzte, die Hartwig eingeladen hatten, nicht gerechnet, sagt Dr. Markus Strieder, der die Veranstaltung für Marktoberdorf federführend mitorganisiert hatte. Weit mehr als 1000 Zuhörer verfolgten den Vortrag drinnen und draußen mit.

Allgäuer Zeitung 19.07.2008
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Kurzerhand wurden - soweit es die Sicherheitsvorschriften zuließen - viele weitere Stuhlreihen im Foyer aufgestellt. Auch die Feuerwehr wurde vorsichtshalber zur weiteren Unterstützung angefordert. Denn Hunderte Interessenten drängten noch vor der Tür, obwohl kein Einlass mehr möglich war.

Hausärzte klagen über Bevormundung durch Politik, Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung. Die tägliche Arbeit empfinden sie zunehmend als Spagat zwischen medizinischer Notwendigkeit und staatlich verordneter Mangelverwaltung. Um auch künftig eine wohnortnahe medizinische Betreuung zu gewährleisten, suchen sie - so wurde aus mehreren Beiträgen von Ärzten bei dieser Veranstaltung deutlich - den Schulterschluss mit den Patienten. Zwar griffen schon jetzt Kapitalgesellschaften auf das Gesundheitswesen in Deutschland zu.

Aber noch sei es nicht zu spät, die Übernahme zu verhindern, meinte Dr. Jakob Berger, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes im Bezirk Schwaben.

«Mensch oder Mammon - steht Rendite über allem?»

Diese Frage stand über dem Abend, wie der Moderator, Dr. Hermann Seifert aus Oberbeuren, formulierte. Mafiöse Strukturen, so die Rednerin Renate Hartwig, habe sie bei ihren Recherchen rund ums Gesundheitssystem ausgemacht. Der Staat mache sich mehr und mehr aus dem Staub, Privatisierung oder «integrierte Versorgung» heiße das vermeintliche Zauberwort, das immer näher rücke und damit die Frage, wie lukrativ es sei, einen Menschen zu behandeln.

«Mehr Zivilcourage»

Sie warnte vor Zuständen, wie sie in den USA etwa mit dem Versicherungskonzern Kaiser Permanente schon bestünden. Als «Schlangengrube» bezeichnete sie den wachsenden Gesundheitsmarkt. Auf ihn stürzten sich die Konzerne wie die Hyänen. Das Publikum rief sie zu mehr Zivilcourage auf. «Wir müssen in unserer kleinen sozialen Welt näher zusammenrücken und dürfen uns nicht den Haien überlassen», forderte sie zum Handeln auf und bekam dafür tosenden Applaus.

Über die elektronische Patientenkarte «will man an unsere Daten kommen», mahnte sie.

Wie noch vieles andere an diesem Abend prangerte sie den Einsatz von «Healthways», einem amerikanischen Dienstleister im Gesundheitswesen, durch die DAK an. «Healthways» komme so via Callcenter an Daten chronisch kranker Patienten.


Mut zum Wahrnehmen und Mut zum Mitreden hat sich die Bestsellerautorin auf die Fahnen geschrieben. Dies machte sie auch im Modeon sehr deutlich. Auch in der anschießenden Diskussion, als eine Zuhörerin fragte, was der «kleine Mann» denn tun könne. «In Frankreich würde mir keiner diese Frage stellen», meinte Hartwig. Dort gingen die Menschen auf die Straße. «Wir können was tun, wir sind die Masse. »

Ihr Ziel sei ein bundesweiter Volksentscheid zur geplanten Gesundheitsreform, die ihrer Ansicht nach «in die Tonne» gehöre.

In Marktoberdorf wurde kurz nach der Veranstaltung ein Patientenstammtisch ins Leben gerufen.

Er findet erstmals am 12. August, 19 Uhr, im Modeon-Nebenraum statt.
 

Quelle: Allgäuer Zeitung
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